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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

11. April 2021

Alfred Keils Kolumne

ES WOAR EMOOL EN MADDEKUCHE. Der lag frisch gebacken auf dem Fußboden des Zimmers von unserem Niklasbabbe in der Beuerner Friedensstraße, die heute Struthwaldstraße heißt. Ein Stück weiter rechts duftete es nach Kwotschekuche. Aber ich reagierte nicht schnell genug. Bevor mir der Wohlgeruch wirklich in die Nase stieg, stand ich mit beiden nackten Füßen drin, in dem köstlichen Quark mit Rosinen.

Leise kam der Niklasbabbe herein und hob mich vorsichtig aus dem Teig. Zuerst wusch er mir die Füße. Dann restaurierten wir das gelbe Kunstwerk. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum keine der Frauen später auf das Malheur zu sprechen kam. Der Opa hatte sich vorsichtshalber ein Gegenargument ausgedacht: „Man legt keinen Kuchen auf den Fußboden eines abgedunkelten Zimmers!“

Ich beeilte mich, das Stück auf meinen Teller zu bugsieren, das ich zerstampft hatte. Irgendwie hatten alle in der Kaffeerunde gute Laune. Ich las den Erwachsenen jeden Wunsch von den Augen ab. Immer wieder warfen wir uns verstohlene Blicke zu, der Großvater und ich.

Nach drei oder vier Tagen war schließlich auch der letzte Rest verputzt. Insgesamt waren es vier Bleche voll gewesen. Ich bot sofort an, die beiden runden zu Tante Sella zurückzubringen, der sie gehörten. Unter jeden Arm schob ich eins und trabte los. Links die Untergasse hinauf. – –     

Ich kam erst wieder zu mir, als ich auf der Straße lag, Gesicht, Hände und Knie blutig rot. Die Kuchenbleche rollten davon. Vor mir galoppierte ein aufgeregtes Füllen, hinter ihm tobte  Diederichs Heinrich, unser Tierarzt. Heinrich schrie aus Leibeskräften. Er knallte mit der Peitsche und versuchte, das Tier wieder einzufangen.

Mühsam rappelte ich mich auf. Ich lief in die Friedensstraße zurück und bemühte mich, mit dem Heulen aufzuhören. Mein Vater mochte gar nicht, wenn ich weinte.

Meine Mutter Ottilie und ihre Schwester Elfriede sammelten die Bleche wieder auf und reinigten meine Schürfwunden. Dann machten wir uns auf den Weg zu Heinrich, mein Vater und ich. Heinrich hatte das Fohlen auf den Hof getrieben und peitschte immer noch drauf los. Mein Vater fiel ihm in den Arm und beruhigte ihn. Endlich brachten sie den verzweifelten Vierbeiner in den Stall. Später hieß es, der Tierarzt habe damals deshalb die Fassung verloren, weil der erste Mann seiner Schwester Lina ebenfalls von einem Pferd zusammengetreten und schwer verletzt worden war.

Die beiden Männer Heinrich und Philipp verstanden sich gut. Sie hatten gemeinsam für Beuern Handball gespielt. Aber mein Vater verlor im Krieg ein Bein und feuerte Heinrich nun von der Seitenlinie aus an.

Heinrich ist nicht alt geworden. Als er am 8. Dezember 1979 starb, zählte er erst 58 Lenze. Mein Vater hatte schon ein Jahr zuvor unsere schöne Erde verlassen. Zum Begräbnis von Heinrich Dietrich fuhren meine Mutter und ich nach Reiskirchen. Das Schicksal hatte ihn dorthin verschlagen. Was der Pfarrer da predigte, hat mich nicht getröstet. Ein Held war von uns gegangen.

 

 

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