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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

6. Junii 2021

Alfred Keils Kolumne

...  EINE SAFARI. Eine Safari im Sommer 1976 in die Berge. Mein Chefredakteur hatte mich an die Costa Brava geschickt, um dort mit anderen jungen Journalisten die Möglichkeiten von Erholungs- und Erlebnisreisen zu testen. Schon die katalanische Folklore gab eine Menge her, und wir waren sofort begeistert. In einem Tennisturnier belegte ich im Gemischten Doppel mit meiner äußerst sportlichen Partnerin den dritten Platz.

Das größte Event aber war der Start von der Eselsranch Can Bruna. Die jungen Leute hatten kaum Augen für den Klatschmohn, die Zypressen, die Agaven, die Kolumbus aus Amerika mitgebracht haben soll, und die Pappeln, aus denen die Katalanen Papier herstellen. Die jungen Männer freuten sich trotzdem, an der frischen Luft mit feschen Kolleginnen flirten zu können.

An einem Andenkenstand entdeckte ich etwas, was mich über Monate faszinieren sollte. Für umgerechnet fünf Deutsche Mark erstand ich eine Silberätzung, die den argentinischen Freiheitshelden Che Guevara zeigt. Ich trug dieses Bildnis lange an einer Kette um den Hals. Auch nachts legte ich dieses Märtyrer-Antlitz nicht beiseite. Che Guevara war Asthmatiker wie ich auch. Und Arzt war er außerdem. Dass die bolivianische Armee sein Versteck aushob, in dem sich seine Medikamente befanden, band mich noch enger an ihn. Denn auch mir sind die lange hilfreichen Mittel abhanden gekommen. Nicht durch feindliche Soldaten, sondern durch die berechnende Pharmaindustrie.

Das Foto, das als Vorlage der Plakette gedient hatte, wurde damals millionenfach reproduziert. Aber den Namen des Fotografen kannte keiner.

Eigentlich müsste Alberto Korda berühmter sein als Buffalo Bill. Aber als der Kubaner 1960 das legendäre Foto schoss, wurde es von niemandem beachtet. Also schenkte er es dem italienischen Verleger Feltrinelli, der es 1967 nach Guevaras Ermordung zum Poster drucken ließ. Nun begann der Siegeszug der Ikone um den ganzen Globus. Korda bekam nicht einen einzigen Peso für die Rechte an seinem Bild. Er hat auch nie darum gebeten. Erst als eine Wodka-Fabrik mit der Aufnahme warb, mischte er sich ein, bekam Recht und 50 000 Dollar Schadenersatz. Dieses Geld spendete er bedürftigen Kindern in Kuba.

Nachdem ich Ches Tagebuch gelesen hatte, erfuhr ich aus mehreren Quellen, dass der bärtige Guerillero mit dem schwarzen Barett nicht immer der edelmütige Kämpfer für die Unterdrückten war. Er hat sich den Berichten zufolge an Gefangenen vergriffen, und er war nicht selten übelgelaunt. Er zog sich nicht zurück, als sein Asthma eigentlich nichts anderes mehr zuließ.

Che Guevaras Aura verblasste. Sigrid, eine Freundin aus Frankfurt, nahm das Bildnis eines Tages von seinem Haken an der Wand. „Leih mir das mal“, sagte sie und packte es ein. Drei Wochen später bekam ich es mit der Post zurück. Zusammen mit einem zweiten, das einen anderen Helden zeigt, nämlich den berühmten Indianer Sitting Bull. Diesmal lag der Preis etwas höher. Hatte Che nur fünf Mark gekostet, so zahlte ich für den großen Sioux zehnmal so viel. Sitting Bull ist in meinem Herzen geblieben. Auch in meinem neusten Buch „Schwäne glauben an Poeten“ spielt er wieder eine Rolle.

 

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Ein neues Gedicht von Alfred Keil
alias Angelo Niklas:

 


Am Küchenfenster, 17. April 2021

 

Abendland

Jähzornige, fatalistische
Germanen.

Demokratische, populistische
Griechen.

Fortschrittliche, sadistische
Römer.

Unbedachte, enthusiastische
Kelten.

Der Rest hätte die
Herrschaft ebenfalls
gerne an sich gerissen.

In den zahlreichen Epochen danach
wiederholte manch anderes Gesindel
das Ganze wieder und wieder,
und alles wurde schlimmer.

Abendländer nehmen und nehmen.
Nehmen mehr, als sie benötigten.
Geben aber nur Brosamen.

Wir sind geisteskrank.
Wir sind durch und durch versaut.

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