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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

30. Dezember 2018

Alfred Keils Kolumne

... EIN INFEKT. Der ereilte meinen kleinen Sohn, nachdem wir eine Menge Silvesterraketen und Schweizer Kracher gekauft hatten. Am letzten Tag des Jahres – ich glaube, es war 1986 – bekam er einen roten Kopf, und er redete wirres Zeug. Das Quecksilber des Thermometers stieg auf 41,2. Der Notarzt gab ihm eine Spritze und legte ein Antibiotikum auf den Tisch. Aber das Fieber sank nicht.

Ich ließ ihn nicht aus den Augen, ich machte Wadenwickel und legte ihm immer wieder einen kalten Waschlappen auf die Stirn. Alte Hausmittel, die meine Mutter schon bei mir und meinen Geschwistern angewendet hat. Außerdem las ich Ragnar Geschichten vor und sang die alten Lieder aus meiner Pfadfinderzeit: "Sascha liebt nicht große Worte", "Und das Leder knirscht, und das Zaumzeug klingt", "Ihr hübschen jungen Reiter, wenn ihr zu Felde zieht". Das Fieber wollte nicht fallen.

Wir schrieben schon den 6. Januar, der Hausarzt sprach davon, den Jungen in die Klinik zu bringen, da schlug der Patient die Augen auf und fragte: "Haben wir heute Silvester? Wann wollen wir schießen?"

Er staunte gewaltig, als ich ihm schilderte, wie es ihm die letzten Tage ergangen war. Als ich seine Enttäuschung sah, bat ich ihn, Silvester doch nachzuholen. Am besten gleich an diesem Abend.

Aber er zeigte wenig Geduld. Er holte die Schießerei sofort aus der Kammer und rannte zum großen Balkon. Dabei gaben seine Knie zweimal nach, so geschwächt war er noch.

Ich hüllte ihn in seine wärmsten Klamotten und holte ein paar leere Flaschen für die Stäbe der Raketen. Und obwohl die Sonne hoch am Himmel stand, ging uns doch kein  einziger Funke, kein einziger Feuerschweif verloren.

Auf dem Hof nebenan gestikulierte der Waschküchen-Karl, der wieder einmal mit dem Holsteiner disputierte. Karl fühlte sich von unserem Spektakel gestört. Er fing an zu schimpfen. Er schimpfte wie ein Rohrspatz: "Man versteht ja sein eigenes Wort nicht mehr! Für diesen Krach ist doch Silvester da!"

Als wir weiterzündelten, drohte er mit der Faust und stellte einen Satz Ohrfeigen in Aussicht. Aber Ragnar war so in seinem Element, dass er das alles überhörte.

Schließlich kehrten wir ins Warme zurück. Unter der fröhlichen Kuckucksuhr in der Küche fing er plötzlich an zu rechnen: "Sechs Tage habe ich verloren. Die will ich wiederhaben. Dann lassen wir einfach den Christbaum länger stehen als sonst."

"Damit haben wir kein Problem", entgegnete ich. "Ich glaube, wir sind da ohnehin Rekordinhaber. Du warst noch ganz klein, da hat Tante Ria uns einen Streich gespielt. Als Mitte April gerade niemand in der Wohnung war, hat sie unser Bäumchen mit Ostereiern und Schokohasen geschmückt."

"Komm, lass uns diesen Rekord brechen", antwortete er.

"Dann sind ja keine Nadeln mehr an den Zweigen."

"Aber das Bäumchen steht doch im Wasser!"

"Weißt du was? Am besten bitten wir Ria, noch einmal Eier aufzuhängen."

 

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