Alten-Buseck Beuern Großen-Buseck Oppenrod Trohe

 

 

 
 

Zum Eingang

Was war los?

Vereine

Marktplatz Buseck
Einkaufen
Dienstleistung
Handwerk
vor der Haustür

Fakten und Historisches

Literarisches

Medizinische
Versorgung

Aus dem Rathaus

Kirchen

Öffentliche Einrichtungen

Gaststätten
Hotels

Ortspläne und
Straßenverzeichnis von Buseck

Jahresrückblicke
2002/2003/2004

Impressum

eMail an uns

Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

8. Juli 2018

Alfred Keils Kolumne

... EINE GRUPPE junger und alter Lyriker. Da die acht Poeten Paul, Oscar, Maria, Dieter, Björn, Simona, Angela und Angelo im April 1998 in Leontica und Cannobio eine Woche lang gemeinsam dichteten, sangen, wanderten, kochten und feierten, nannten sie sich Die Tessiner 8. (Für alle, die es nicht wissen: Wenn ich als Verseschmied unterwegs bin, heiße ich Angelo Niklas.)

Ich glaube nicht, dass ich schon einmal eine ähnlich intensive Zeit mit Freunden  verbracht habe. Auch nicht bei den Pfadfindern und Fußballern. Am lebendigsten ist mir das Felsenmeer nahe der Ortschaft Sant' Anna in Erinnerung geblieben. Hier stellte Paul den anderen die Aufgabe, die Sternenpracht der Steine zu besingen. Wir fanden nicht nur große und kleine Brocken, wir staunten auch über die vielen Farben und Formen dieser Zeugen der Erdgeschichte: "Schwöre, schwöre Stein und Beine, / Steine, Steine, nichts als Steine, / liegen da im Sonnenscheine, / wo ich hinschau, lauter Steine. / Sitzen hier wie Brecht und Heine, / schmieden Verse auf die Steine."

Sechs Gedichte sind mir damals im Tessin gelungen und anschließend zu Hause noch einmal so viele. Alle versammelt in dem Band "Die Angst des Windes".

Was einen Anfang hat, hat leider auch ein Ende. Losen Kontakt pflege ich im Facebook nur noch mit Paul, Simona und Björn. Paul schickt mir manchmal eine Karte aus dem Tessin, wo er ein Ferienhaus besitzt, die "Casa Eleonora".

Auch noch andere Zeugnisse meines Tessiner Paradieses tauchen hin und wieder auf. Zum Beispiel ein alternativer und daher "unbrauchbarer" Lebenslauf:

Ich habe Günter Grass und Helmut Kohl die Hand geschüttelt und Hilde Domin die Hand geküsst.

Ich habe den Wind auf der Sonnenpyramide von Teotihuakán in meinem Hemdkragen gefangen und mir auf dem Marmorboden des Goldenen Tempels von Amritsar die Füße verbrannt.

Auch einen Baum habe ich gepflanzt, ein Buch geschrieben und einen Sohn gezeugt, der wieder einen Sohn gezeugt hat.

Ich habe erstickt vor der Schwarzen Tür gelegen, die aber verschlossen blieb. Und ich habe unzählige Male vergessen, dass auch Frauen gefallene Engel sind.

An vielen Gräbern habe ich gestanden und bin müde geworden. Nur der Bleistiftstummel in meiner rechten Hand, der tanzt noch immer, und unter der Großelternuhr muss ich nachts noch singen.

Mir geht es wie Merlin. Bald bin ich wieder ein Kind. Denn ich glaube nicht nur an Gott, ich glaube auch an Elfen, Zwerge und Feen.

Wieviele Schritte und Atemzüge bleiben mir noch?

Eine andere Frage will ich gleich beantworten. Sie wird ohnehin gestellt: Warum schreibe ich? Die einfachste Antwort wäre: Schreiben ist mein Hobby. Aber es ist mehr als nur ein Hobby. Schreiben, sagt Thomas Bernhard, ist ein Akt der Selbsterkundung. Und für Günter Kunert ist Schreiben die Abarbeitung einer inneren Versehrung. Das literarische Schreiben, sage ich, ist das Durchpflügen und Durchforsten der eigenen Seele. Schon das Notieren einzelner Gedanken, Bilder und Metaphern zeigt, was mit dem Schreibenden los ist. Denn alles, was ihm in den Sinn kommt, kommt nicht zufällig. Es kommt, weil es mit der Identität und den Bedürfnissen des Dichters auf das Engste verknüpft, weil es mit dem Dichter so zu sagen blutsverwandt ist.

Hölderlin nennt einen weiteren Aspekt: Der Trieb, aus unserem Wesen etwas hervorzubringen, was zurückbleibt, wenn wir scheiden, hält uns doch eigentlich am Leben fest.

Ach, und noch etwas fällt mir ein: Wäre ich kein Dichter, hätte mich eine kleine Rumänin nie geküsst. Und sie hätte auch das Kopfkissen nicht mit mir geteilt.

Das Schreiben ist noch nicht zu Ende.

 

 

_____________________________

Dieser Text als PDF-Datei

Frühere Beiträge:

8. Juli 2018 Es war einmal eine Gruppe | 1. Juli 2018 Es war einmal ein Grinsen | 24. Juni 2018 Es war einmal eine Erinnerung | 10. Juni 2018 Es war einmal ein Band | 3. Juni 2018 Es war einmal ein Reichskanzler | 27. Mai 2018 Es war einmal ein Mäzen | 20. Mai 2018 Es war einmal eine Geburt | 13. Mai 2018 Es war einmal ein Traum | 6. Mai 2018 Es war einmal ein Rumoren | 29. April 2018 Es war einmal eine Irrfahrt | 22. April 2018 Es war einmal ein Paar | 15. April 2018 Es war einmal eine Messe | 1. April 2018 Es war einmal eine Invasion | 25. März 2018 Es war einmal eine Treppe | 18. März 2018 Es war einmal ein Zufall | 4. März 2018 Es war einmal eine Heimat | 25. Februar 2018 Es war einmal ein Film | 18. Februar 2018 Es war einmal ein Geschwisterpaar | 11. Februar 2018 Es war einmal ein Anruf | 4. Februar 2018 Es war einmal ein Gottesdienst | 28. Januar 2018 Es war einmal ein Fieber | 21. Januar 2018 Es war einmal ein Wintermorgen | 14. Januar 2018 Es war einmal ein Schemel | 7. Januar 2018 Es war einmal ein Jubiläum

Beiträge 2017
Beiträge 2016
 

 

 
Anzeigen