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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

9. September 2018

Alfred Keils Kolumne

... EINE GEBURTSTAGSFEIER. Eingeladen hatte Hans in der Alten Busecker Brandgasse. Zu den Gästen gehörte auch Nachbarin Anette. Anette ist die Tochter von Albrecht, einem 82jährigen Landwirt, der seine Kühe behandelt wie richtige Persönlichkeiten. Jedenfalls spricht er mit ihnen. Bevor er sich abends zur Ruhe begibt, geht er noch einmal durch den Stall um nachzusehen, ob alles seine Richtigkeit hat.

Irgendwann kamen wir auch auf die gute alte Zeit zu sprechen und auf die schönen Geschichten darüber. In der Weihnachts- und in der Silvesternacht, so heißt es in einem alten Buch, kann das Vieh im Stall in der Sprache der Menschen reden. Wenn der Bauer sich leise verhält, erfährt er in diesen Stunden eine Menge über seine Familie, über das Dorf und über das Land.

Diesen "Sachverhalt" habe ich vor Jahren schon an Albrecht und Anette weitergegeben. Beim Geburtstag in Alten Buseck bewies Anette, dass sie kein Wort davon vergessen hatte. Das ermutigte mich, dieses Mal von den Zwergen vom Hangelstein zu erzählen. Diese Zwerge benahmen sich wie die Heinzelmännchen von Köln. Sie halfen den Hausfrauen des Busecker Tals bei ihrer Arbeit. Das taten sie nachts, damit niemand sie beobachten konnte. Dafür durften die kleinen Kerle dann vom Zwetschenmus – vom Quotschehoink – naschen, soviel sie wollten. Weil sie aber nicht groß genug waren, um an die Kostbarkeit im großen Kessel zu gelangen, stellte man ihnen das Honigleiterchen – des Hoinklääderche – und die Gläsernen Stiefel zurecht. Ich erinnere mich noch daran, dass mich unser Niklas-Babbe zu einer befreundeten Familie schickte, um diese Utensilien zu holen, weil sie dort nicht mehr gebraucht wurden. Der Hausherr überreichte mir einen schweren Kartoffelsack: "Neadd eneangugge! – Nicht hineingucken!" Natürlich durchschaute ich das Manöver. Aber ich spielte mit. Später habe ich dann entdeckt, dass der Sack vier Pflastersteine und ein Stück rostiges Eisen enthielt.

Anette, Geburtstagskind Hans und Ehefrau Heidi lauschten andächtig. Dann leuchtete Anettes Gesicht: "Die Zwerge vom Hangelstein! Über die besitze ich ein Buch!"

Schon am nächsten Tag steckte dieses Buch in unserem Briefkasten. Auf Seite 26 fand ich die Geschichte über die Hangelsteiner Leckermäuler. Schön gereimt und mit viel Liebe zum Detail, hat Karl Brodhäcker diese Mär erzählt und 1991 im eigenen Verlag herausgebracht. Die zu Herzen gehenden Illustrationen stammen vom Wilhelm Weide.

Plötzlich öffnete sich in meinem Gedächtnis eine Luke. Ich hastete die Treppe hinauf zu dem Regal mit den hochformatigen Werken. Schon beim ersten Griff hielt ich sie in den Händen: "Die Zwerge vom Hangelstein". Und ich suchte weiter. In einem alten Schulheft meines Vaters klebte mein Buchtipp für die Wetzlarer Neue Zeitung: "Auf der Badenburger Lahn / sah man Zwerge oft im Kahn." Nun las ich meine eigenen, lange vergessenen Zeilen. Die Knirpse haben dem Teufel von Zeit zu Zeit gehörig eingeheizt: "Drum mag der Höllen-Bösewicht / die Hangelsteiner Zwerge nicht."

Schade nur, dass Satanas diese Feinde nicht mehr hat. Er hat sie deshalb nicht mehr, weil die Kinder nicht mehr an sie glauben. In den Smartphones und den anderen digitalen Spielgeräten sind sie eben nicht zu Hause.

Ich musste mich wegen meiner Pflichten am Schreibtisch losreißen von den wohlklingenden Versen über das Völkchen, das mit Sicherheit auch in unseren Waschkessel gestiegen ist, um nach Herzenslust den Hoink zu schlecken. Meine Mutter und Helene Laub, die Angetraute von Pfarrer Erich Laub, haben lange Jahre gemeinsam diese Leckerei zubereitet.

Dann erzählten sie auch vom "Päädche schdrahn" – vom Pfädchen streuen. Hatten sich ein Bursche und ein Mägdelein in der Nacht zusammengefunden, streuten andere Jugendliche Zwetschenkerne vom Haus des Jünglings zum Haus der Angebeteten. Am anderen Morgen folgten die Klatschtanten dieser Spur und verbreiteten überall die Geschichte über eine heiße Liebe.

Wenn dann das Feuer in unserer Waschküche knisterte und bullerte, hielt sie wieder Einzug, die gute alte Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat.

Danke, liebe Anette, für diese wunderschöne Lesestunde oben unter meinem Dach. Auch Heidi und Hans haben nachträglich davon profitiert.

 

 

 

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