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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

16. Februar 2020

Alfred Keils Kolumne

... ES WAR EINMAL EIN SPRÜCHLEIN. Das rezitierte unser Niklas-Babbe manchmal leise, wenn jemand anmaßend über  kulturelle Dinge oder über unsere schwindende Allgemeinbildung redete. Mein Opa wusste, dass die eigentliche Bildung die Herzensbildung ist: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Heute spricht man in diesem Zusammenhang auch von Emotionaler Intelligenz.

Öffentlich darf man diesen Reim eigentlich nicht von sich geben, denn er enthält ein unfeines Wort. Trotzdem liebe ich dieses Relikt aus meiner Kindheit in Beuern. Alles, was mir meine Großväter hinterlassen haben, ist mir ans Herz gewachsen. Hin und wieder sage ich diese rustikale spöttische Weisheit auf und ernte jedes Mal dankbares Gelächter: „Goethe - die Welt ist leer und öthe (öde). Schiller - en Furz eas keen Triller.“

Ich habe das immer auch in diesem Sinne verstanden: Goethe ist der vornehme Dichter für besondere Anlässe. Und Schiller ist der praktische Dichter für den Alltag.

Solche Sprüchlein, solche kurzgefassten Erkenntnisse nennt man auch Zitate, Redewendungen, Lebensweisheiten, Wortspiele, Sentenzen, Maxime oder Aphorismen. Viele dieser Erfahrungen, die auf den Punkt gebracht wurden, habe ich schon gesammelt. Der Autor Hanns-Hermann Kersten erfand einen Aphorismus über den Aphorismus: „Aphorismen sind Hobelspäne vom Baum der Erkenntnis.“ Und der Satiriker und Essayist Gabriel Laub fand dieses wunderbare Bild: „Aphorismen entstehen nach dem gleichen Rezept wie Statuen. Man nehme ein Stück Marmor und schlage alles weg, was man nicht unbedingt braucht.“ Weiter schreibt er: „Ein Zitat ist besser als ein Argument. Man kann damit in einem Streit die Oberhand gewinnen, ohne seinen Gegner überzeugt zu haben.“ Von einem alten Abreißkalender stammt diese umwerfende Wahrheit: „Fehler sind immer dick, wo die Liebe dünn ist.“

Auf der Judo-Matte Ende der 1960er Jahre in Biedenkopf bestätigte sich mir folgender Spruch der japanischen Samurai: „Wenn du glaubst, du hast gewonnen, hast du schon verloren.“ Die Arroganz des Siegers führt nicht selten in die Niederlage. Das heißt auf der anderen Seite: Wir dürfen niemals aufgeben. Denn die Macht des Tigers ist ja vor allem die Angst vor dem Tiger. Du hast erst verloren, wenn du wirklich verloren hast.

Neulich erst habe ich gelesen, dass die meisten deutschen Sprichwörter aus der Bibel stammen, außerdem von den schon erwähnten Freunden Schiller und Goethe. Auch ich habe mich schon an dieser Literaturgattung versucht: „Wer keinen Humor hat und keine Kinderstube, der hat auch niemals Recht.“ Oder wenn Sie etwas zum Schmunzeln wollen: „Früher war ein Rohling ein besonders roher, grobschlächtiger oder bösartiger Mann. Heute ist ein Rohling eine Schallplatte, auf der nichts drauf ist.“

Früh stand für mich fest, dass unsere Sprache hauptsächlich von den Redewendungen lebt und nicht von der Schärfe der Gedanken. Tja, und der Weisheit letzter Schluss ist es, dass die Klugen im Land die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen

 

 

 

 

 

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