Alten-Buseck Beuern Großen-Buseck Oppenrod Trohe

 

 

 
 

Zum Eingang

Was war los?

Vereine

Marktplatz Buseck
Einkaufen
Dienstleistung
Handwerk
vor der Haustür

Fakten und Historisches

Literarisches

Medizinische
Versorgung

Aus dem Rathaus

Kirchen

Öffentliche Einrichtungen

Gaststätten
Hotels

Ortspläne und
Straßenverzeichnis von Buseck

Jahresrückblicke
2002/2003/2004

Impressum

eMail an uns

Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

13 Oktober 2019

Alfred Keils Kolumne

... EIN EIN GROSSMAUL, 16 Jahre alt und von eher kleinem Wuchs. Es hieß Alfred. Genau wie ich. Seine Eltern hatten den Jungen ins Internat gesteckt, weil die Ärzte das wegen der „Luftveränderung“ nahegelegt hatten. Zu Hause in seinem Dorf hörten die Gleichaltrigen alle auf ihn. Daher dachte er, das sei in seiner neuen Umgebung in Königstein ebenso.

Am ersten Nachmittag saß er auf einem Felsen, der am Eingang der Villa Andreae aus der Erde ragte. Er schnitzte eine Verzierung in einen Haselnuss-Stock, den er in der Nähe geschnitten hatte. Zu seinen Füßen unterhielten sich zwei Heimbewohner, die er noch nicht kannte. Zuerst schüttelte er nur den Kopf, dann mischte er sich ein. „Halt du dich da raus!“, rief der Ältere zu ihm hinauf. „Sonst hol ich dich da runter von deinem hohen Ross!“

Der Angeredete lachte verächtlich. Er glaubte nicht daran, dass jemand den Mut aufbringen könnte, ihn anzugreifen. Da lag er auch schon am Boden! Der andere zog ihn am Kragen wieder hoch. Er wartete nicht, bis sein Gegner das Taschenmesser aus der Hand gelegt hatte, und stieß ihn hart vor die Brust. Der Neue dachte nicht mehr an seine Schnitzerei und versuchte einen Kinnhaken. Dabei klappte die Klinge zu und schnitt ihm in die Hand. Als die anderen das Blut sahen, war die Aggression vorbei. Sie nahmen den Jungen mit dem großen Mundwerk in die Mitte und führten ihn ins Sanitätszimmer. Weil niemand zugegen war, verarzteten sie ihn selbst.

Am nächsten Mittag nach dem Essen saß eine Gruppe in einem der Schlafräume zusammen, unter ihnen auch mein Namensvetter. Wieder war er alles andere als zurückhaltend. Und einer der Älteren belehrte ihn: „Wenn man neu irgendwo ist, peilt man zunächst einmal die Lage. Jedenfalls hält man am Anfang vorsichtshalber die Klappe.“ Aber der Neue dachte nicht daran, sich unterzuordnen und schwadronierte drauflos - ohne Sinn und Verstand. Er wollte auf keinen Fall klein beigeben.

Da nickten die anderen sich zu. Einer holte eine große Schere, ein anderer einen Elektrorasierer. Die übrigen hielten den Uneinsichtigen fest. Sie hielten ihn, der sich nur am Anfang zu wehren versuchte, so lange fest, bis seine dunkle Haarpracht vollständig zu Boden gesunken war.

Er fiel mit seinem Mecki überhaupt nicht auf. Auf dem Schulhof liefen noch zwei andere mit dieser Frisur herum. Aber Dr. Reinhardt, dem Lateinlehrer, blieb der Satz, den er gerade sagen wollte, im Halse stecken. Dann stieß er hervor: „Sag mal, Kerl, bist du unter die Mähmaschine geraten?“

Der Geschorene hatte die richtige Antwort parat: „Nein, das war nur eine Wette.“

An einem Nachmittag kam Nick, das war der, der ihn vom Felsen geholt hatte, zu ihm: „Wir können nicht warten, bis dein Haar wieder nachgewachsen ist. Uns fehlt einer auf der linken Seite. Komm um fünf zum Training!“

Da schlug seine Stunde. Als er einen Eckball von rechts mit dem linken Knie ins linke Fritzchen befördert hatte, gab es nur noch eine einzige Frage, und die war rein rhetorisch: „Hast de ne linke Klebe?“ Jedenfalls war Alfred nun der neue linke Verteidiger der Internatsmannschaft

 

 

 

 

_____________________________

Dieser Text als PDF-Datei

Frühere Beiträge:

13. Oktober 2019 Es war einmal ein Großmaul | 6. Oktober 2019 Es war einmal eine Nacht (Video) | 29. September 2019 Es war einmal eine Freistunde | 22. September 2019 Es war einmal eine Gymnasiastin | 15. September 2019 Es war einmal ein Bauernbub | 8. September 2019 Es war einmal ein Genie | 1. September 2019 Es war einmal ein Wägelchen | 25. August 2019 Es war einmal ein Herbstmorgen | 18. August 2019 Es war einmal eine Hoffnung | 11. August 2019 Es war einmal ein Bundeskanzler | 4. August 2019 Es war einmal eine Spazierfahrt | 28. Juli 2019 Es war einmal eine Lerche | 14. Juli 2019 Es war einmal eine Mittagspause | 4. Juli 2019 Es war einmal ein Wunder | 30. Juni 2019 Es war einmal ein Nachmittag | 16. Juni 2019 Es war einmal eine Jüdin | 9. Juni 2019 Es war einmal ein Ärgernis | 2. Juni 2019 Es war einmal eine Niederlage | 19. Mai 2019 Es war einmal ein Schornsteinfeger | 12. Mai 2019 Es war einmal ein Bummel | 17. März 2019 Es war einmal ein Franzmann | 10. März 2019 Es war einmal ein Doping | 3. März 2019 Es war einmal eine Rivalität | 17. Februar 2019 Es war einmal eine Predigt | 10. Februar 2019 Es war einmal ein Bildhauer | 3. Februar 2019 Es war einmal ein Winter |

Beiträge 2018
Beiträge 2017
Beiträge 2016
 

 

 
Anzeigen