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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

16. Juni 2019

Alfred Keils Kolumne

... EINE JÜDIN. Gottfried Benn nannte sie „die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“. Ihr Name lautete Else Lasker-Schüler. 1932 wurde sie mit dem renommierten Kleist-Preis ausgezeichnet. Doch obwohl sie mit den berühmtesten Künstlern ihrer Zeit verkehrte, musste sie im Jahr darauf emigrieren. Am 22. Januar 1945 starb sie 75jährig in Jerusalem. Ergriffen standen mein Sohn und ich im Mai 1994 an ihrem Grab auf dem Ölberg.

Ein Israeli erklärte uns, dass sie in der jüdischen Hauptstadt nicht das Nötigste zum Leben besaß. Überwiegend habe sie Nüsse und Rosinen gegessen. Der Israeli kannte sogar den deutschen Namen für diese Nahrung: „Studentenfutter“. Und gar nicht selten schlief sie auf einer Parkbank unter freiem Himmel.

Stundenlang habe ich früher ihre Verse gelesen: „Es treiben mich brennende Lebensgewalten, / Gefühle, die ich nicht zügeln kann. / Und Gedanken, die sich zur Form gestalten, / sie greifen mich wie Wölfe an.“

Benns Geliebte Else Lasker-Schüler nannte sich auch Jussuf, Prinz von Theben. Benn, der Preußische Orpheus, hatte Probleme damit, sich frei zu seiner Eurydike zu bekennen. Die Nazis saßen ihm zu dicht im Nacken. Nur in seiner Dichtung zelebrierte er seine Sehnsucht ohne Scham. Eigentlich geschah hier eine jüdisch-deutsche Symbiose. Auch wenn sie nur von kurzer Dauer war.

Helma Sanders-Brahms setzte dem Liebespaar ein literarisches Denkmal: „Gottfried Benn – Else Lasker-Schüler“. Auch einen Film drehte sie über dieses ungleiche Paar: „Mein Herz – Niemandem!“

Eine wunderschöne Anekdote über die Ausnahme-Lyrikerin sei hier wiedergegeben: Sie saß am Versöhnungstag Jom Kippur, an dem die Juden fasten, in der Synagoge und aß eine Tafel Schokolade. Da kam jemand auf sie zu und sagte: „Meine Dame, wie können Sie heute an diesem Ort essen!“ Da antwortete die Angeredete versonnen: „Ach, bitte, stören Sie meine Andacht nicht . . .“

 

 

 

 

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