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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

10. November 2019

Alfred Keils Kolumne

... EIN METTEUR. Ein Metteur ist ein Schriftsetzer, der das in Blei gegossene Satzmaterial zu fertigen Zeitungsseiten umbricht, also zusammenbaut. Metteure braucht man heute nicht mehr, denn der Bildschirm des Computers hat sie überflüssig gemacht.

Als ich am 2. März 1966 im Wetzlarer Karl-Kellner-Ring mein Zeitungs-Volontariat begann, hätte sich kein Redakteur vorzustellen gewagt, dass die technische Entwicklung den wichtigen Metteur einmal überflüssig machen würde.

Der Metteur, an den ich mich hier erinnere, heißt Wolfgang Müller. Er fungierte in der guten alten Zeit außerdem als Betriebsratsvorsitzender der Wetzlarer Neuen Zeitung.

Mit feierlichen Worten und Gesten begrüßte mich Wolfgang Müller in der lichtarmen Mettage. Schließlich führte er mich an einen hohen Tisch, auf dem ein so genanntes Schiff vor Anker lag. Ein solches Schiff sah aus wie ein äußerst schmales Kuchenblech mit längsseits hohen Rändern. Dieses Schiff war gefüllt mit Bleisatz, dessen Buchstaben ich natürlich nicht entziffern konnte, weil zum Lesen von Spiegelschrift (wie auf einem Stempel) einige Übung gehört.

In der Mitte des Schiffs klaffte ein leerer Raum, den zwei Stege begrenzten. Stege sind rechteckige Bleiklötze, mit denen die Flächen für Fotos oder Grafiken blankgeschlagen (freigehalten) werden. Alles, was zum Blankschlagen gehört, nennt man auch Blindmaterial.

„Komm näher! Nur wer die Bleiläuse gesehen hat, hat auch das Zeug zum Redakteur. Und Redakteur willst du doch werden, oder?“ Ich nickte eifrig, und Wolfgang Müller zog mich näher an das Schiff heran: „Ich gieße jetzt Wasser in den freien Raum da in der Mitte. Obwohl das ganz normales Leitungswasser ist, entwickeln sich die kleinen Tierchen darin, die wir Bleiläuse nennen, in Windeseile.“

Als der Metteur seltsam grinste, ahnte ich, dass er mich reinlegen wollte. Deshalb stellte ich mich dumm, als er meine Zaghaftigkeit kritisierte.

„Wie dicht denn noch?“, fragte ich scheinheilig. Und er neigte seinen ganzen Oberkörper über das wassergefüllte Schiff. Ich tat es ihm gleich, legte aber meinen Unterarm leicht auf seinen Rücken. Da machte es „klack!“. Seine Hände hatten die beiden Stege blitzschnell aufeinander zugeschoben. Das Wasser spritzte - genau ins Gesicht des Metteurs! Mein eigenes Gesicht hatte ich im selben Augenblick in Sicherheit gebracht. Ihn aber hatte mein Arm daran gehindert, sich ebenfalls aus der Schusslinie zu bewegen.

Seine Enttäuschung werde ich mein Lebtag nicht vergessen.

 

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