Alten-Buseck Beuern Großen-Buseck Oppenrod Trohe

 

 

 
 

Zum Eingang

Was war los?

Vereine

Marktplatz Buseck
Einkaufen
Dienstleistung
Handwerk
vor der Haustür

Fakten und Historisches

Literarisches

Medizinische
Versorgung

Aus dem Rathaus

Kirchen

Öffentliche Einrichtungen

Gaststätten
Hotels

Ortspläne und
Straßenverzeichnis von Buseck

Jahresrückblicke
2002/2003/2004

Impressum

eMail an uns

Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

20. Mai 2018

Alfred Keils Kolumne

... EINE GEBURT. Und ich war die Hebamme. Die Bäuerin, die ich zu meiner Schwiegermutter machen wollte, das Salzmanns Liesi, stand im Hoftürchen, als ich vom Zug aus Gießen kam, wo ich Pädagogik studierte.

"Dich schickt der Himmel!", rief sie. "Die Rosa kalbt heute Nacht. Du musst mir unbedingt helfen. Ich schaffe das nicht alleine."

Ihr Mann konnte ihr wegen seiner Kurzatmigkeit nicht beistehen. Und ihre Tochter, meine Verlobte, besuchte in Hamburg ein Seminar. Sie weilte überhaupt nur selten zu Hause. Vielleicht ging sie mir aus dem Weg.

"Sei so um zwei Uhr hier. Ich glaube, das ist die richtige Zeit", gab Liesi mir mit auf den Weg.

Natürlich fand ich an diesem Abend keine Ruhe. Um 20 Minuten vor zwei verließ ich das Haus. In der Wilhelmstraße, genauer gesagt, im "Schdeewääg", suchte ich sofort den Kuhstall auf. Rosa lag im Stroh, und Liesi redete besänftigend auf sie ein. Dann erschien unter dem unruhigen Schwanz des Tieres eine Blase, die bald grau, bald rosa schimmerte. Mit dem Daumennagel schnitt Liesi diese Blase auf. Eine Flüssigkeit schoss ihr über die Finger. Im Handumdrehn erwischte die zierliche Frau zwei kleine Hufe. "Jetzt du!", flüsterte sie, reichte mir einen Strick, dessen Ende eine Schlinge bildete. Diese Schlinge befestigte ich an den nun deutlich sichtbaren

Hinterläufen. "Jetzt ziehen!", spornte sie mich an und steckte das Querholz am anderen Ende des Stricks in meine Fäuste.

Als das neue Leben nicht herauswollte, schwieg die Bäuerin, ließ mich stumm gewähren. Ich setzte meinen Fuß auf Rosas Hinterbacken und zog kräftiger. Und nun ging alles ganz schnell. Der Länge nach fiel ich auf den Rücken und hätte meine Schwiegermutter in spe beinahe zu Boden gerissen, die wie ein junges Mädchen tanzte und sang. "Und jetzt reiben wir das Kleine trocken!", jubelte sie. Und auch Rosa bemühte sich mit ihrer langen Zunge, ihrem Jungen die ersten Minuten seines Lebens angenehm zu machen.

Die Natur weiß sich zu helfen. Bis ein Mensch laufen kann, dauert es ein ganzes Jahr. Aber ein Kälbchen kommt schon nach wenigen Minuten auf die Beine. Und nach weiteren Minuten fand sein Maul das Euter der Mutter.

Nach ein paar Monaten verlor Rosa ein Horn. Elisabeth, meine Verlobte, schenkte es mir. Aber geheiratet hat sie einen andern.

 

_____________________________

Dieser Text als PDF-Datei

Frühere Beiträge:

20. Mai 2018 Es war einmal eine Geburt | 13. Mai 2018 Es war einmal ein Traum | 6. Mai 2018 Es war einmal ein Rumoren | 29. April 2018 Es war einmal eine Irrfahrt | 22. April 2018 Es war einmal ein Paar | 15. April 2018 Es war einmal eine Messe | 1. April 2018 Es war einmal eine Invasion | 25. März 2018 Es war einmal eine Treppe | 18. März 2018 Es war einmal ein Zufall | 4. März 2018 Es war einmal eine Heimat | 25. Februar 2018 Es war einmal ein Film | 18. Februar 2018 Es war einmal ein Geschwisterpaar | 11. Februar 2018 Es war einmal ein Anruf | 4. Februar 2018 Es war einmal ein Gottesdienst | 28. Januar 2018 Es war einmal ein Fieber | 21. Januar 2018 Es war einmal ein Wintermorgen | 14. Januar 2018 Es war einmal ein Schemel | 7. Januar 2018 Es war einmal ein Jubiläum

Beiträge 2017
Beiträge 2016
 

 

 
Anzeigen