Alten-Buseck Beuern Großen-Buseck Oppenrod Trohe

 

 

 
 

Zum Eingang

Was war los?

Vereine

Marktplatz Buseck
Einkaufen
Dienstleistung
Handwerk
vor der Haustür

Fakten und Historisches

Literarisches

Medizinische
Versorgung

Aus dem Rathaus

Kirchen

Öffentliche Einrichtungen

Gaststätten
Hotels

Ortspläne und
Straßenverzeichnis von Buseck

Jahresrückblicke
2002/2003/2004

Impressum

eMail an uns

Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

5. August 2018

Alfred Keils Kolumne

... EIN KOLLEGE, der platzte ins Büro des Personalchefs unserer Zeitungsgruppe, mit dem ich gerade den Fall einer umstrittenen Redakteurin verhandelte, die ich entschieden verteidigte. Man warf ihr immer wieder vor, heimlich Alkohol zu sich zu nehmen.

Der Kollege, der das Gespräch unterbrach, hieß Heinrich. Er hatte mehr Jahre auf dem Buckel als alle anderen in der Nachrichtenredaktion.

Heinrich warf sich in einen Sessel, zeigte mit beiden Händen auf seine Brust und stieß hervor: "Ich habe Krebs!"

Das Wort "Krebs" verschloss dem Personalchef und mir den Mund. Ich legte den Arm um Heinrich und verließ mit ihm das Haus. Wir drehten zwei oder drei Runden um das Verlagsgelände am Hörnsheimer Eck. Wir gingen "ums Karree", wie sich Heinrich auszudrücken pflegte. Wir sprachen kein Wort.

Schon nach einer Woche marschierte Heinrich zur OP. Der Weg war nicht weit. Von der Wetzlarer Neuen Zeitung bis zur Wetzlarer Hessenklinik sind es nur hundert Meter. Heinrich kam zu früh. Sie legten ihn auf einen fahrbaren Untersatz und schoben ihn zur Tür des Operationssaals. Die Verzögerung machte ihm zusätzlich zu schaffen. Panik ergriff Besitz von ihm.

Doch Heinrich wehrte sich. Heinrich war nicht auf den Mund gefallen. Heinrich war bekannt für seine Schlagfertigkeit. Er setzte sich auf und begrüßte jeden, der vorbeikam, auf seine Weise: "Na, du Seeräuber! – Ach, du liebe Güte, was für ein Fächtigmächer (einer, der anderen Angst einjagt)! – Sieh mal an, der Fratzenschneider ist auch wieder da! – Die beiden Schweinepriester da am Fenster, die sollen hingehn, wo der Pfeffer wächst!" Und als eine hochhackige Dame mit großzügigem Dekolleté vorüberstöckelte, war Heinrich nicht mehr zu bremsen: "Liebstöckel, Liebstöckel, ich hätte dich gern in meiner Suppe!"

Das Busenwunder blies verächtlich durch die Nüstern. Heinrich geriet nun erst recht in Rage. Die nächste junge Dame, die sich ihm näherte, bedachte er mit einer Beleidigung aus der Nachkriegszeit. Die deutschen Fräuleins, die sich mit amerikanischen Besatzungssoldaten einließen, nannte man "Amilutsch". Dieses Schimpfwort rief der Kollege mehrfach und ziemlich laut. Auch den jiddischen Begriff "Schickse" klaubte er aus seinem Vokabular. Eine Schickse war vor dem so genannten Dritten Reich eine adrette Christin, die sich in einem jüdischen Haushalt etwas dazuverdiente. Über das Rotwelsche ist dieser Ausdruck dann in abgewandelter Bedeutung ins Deutsche gelangt.

Heinrich blieb aggressiv: "Du Schisser! – Du Hoinkdurmel! – Du Lapparsch! – Du Triefauge! – Du Sausack! Du Sausack! Sausack! Sausack!!!"

Die Tür flog auf, Heinrich wurde abgeholt. Ein großer Mann, der schon den Mundschutz vorgebunden hatte, streckte ihm die Hand entgegen: "Guten Morgen, Herr L.! Ich bin Doktor ... ich bin der Sausack von vorhin!"

Heinrich bäumte sich auf, aber der Arzt drückte ihn sanft zurück: "Alles ist gut!"

Heinrich entspannte sich. Die Operation verlief erfolgreich. Heinrich kam zu seinem Arbeitsplatz zurück und berichtete haarklein, was sich da vor dem Eingriff zugetragen hatte. Bevor wir ihn dann doch verloren, lieferte er noch so manche Anekdote und so manchen Kalauer, über die heute noch alle lachen, die ihn gekannt haben.

 

_____________________________

Dieser Text als PDF-Datei

Frühere Beiträge:

5. August 2018 Es war einmal eine Metzgerei | 22. Juli 2018 Es war einmal eine Metzgerei | 15. Juli 2018 Es war einmal ein Heimweh | 8. Juli 2018 Es war einmal eine Gruppe | 1. Juli 2018 Es war einmal ein Grinsen | 24. Juni 2018 Es war einmal eine Erinnerung | 10. Juni 2018 Es war einmal ein Band | 3. Juni 2018 Es war einmal ein Reichskanzler | 27. Mai 2018 Es war einmal ein Mäzen | 20. Mai 2018 Es war einmal eine Geburt | 13. Mai 2018 Es war einmal ein Traum | 6. Mai 2018 Es war einmal ein Rumoren | 29. April 2018 Es war einmal eine Irrfahrt | 22. April 2018 Es war einmal ein Paar | 15. April 2018 Es war einmal eine Messe | 1. April 2018 Es war einmal eine Invasion | 25. März 2018 Es war einmal eine Treppe | 18. März 2018 Es war einmal ein Zufall | 4. März 2018 Es war einmal eine Heimat | 25. Februar 2018 Es war einmal ein Film | 18. Februar 2018 Es war einmal ein Geschwisterpaar | 11. Februar 2018 Es war einmal ein Anruf | 4. Februar 2018 Es war einmal ein Gottesdienst | 28. Januar 2018 Es war einmal ein Fieber | 21. Januar 2018 Es war einmal ein Wintermorgen | 14. Januar 2018 Es war einmal ein Schemel | 7. Januar 2018 Es war einmal ein Jubiläum

Beiträge 2017
Beiträge 2016
 

 

 
Anzeigen