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Literarisches von Alfred Keil alias Angelo Niklas

 

29. März 2020

Alfred Keils Kolumne

... EINE ANGST. Die überfiel mich am Friedberger Aufbau-Gymnasium immer vor der Lateinarbeit. Nicht, weil ich schwach war in diesem Fach, sondern weil sich der zuständige Studienrat in den Kopf gesetzt hatte, mich scheitern zu lassen. Solche Menschen versprühen ihr Gift überall. Ich halte jede Wette, dass sich Zeitgenossen finden, denen es ebenso erging oder ergeht wie damals mir.

Diese Angst führte dazu, dass ich kurz vor der fraglichen Lateinstunde noch einmal aufs Klo rannte. Ich hatte dann nämlich Durchfall. Nach dem Abitur lachten wir darüber, meine Freunde und ich. Wir zitierten einen heute nicht mehr gebräuchlichen Terminus der deutschen Sprache: „Angstschisser“. Die Alten wussten das also schon: Die Angst treibt die Leute aufs Stille Örtchen.

In diesen Tagen überflutet die Corona-Pandemie unsere ausgeleierte Erde. Sie erinnert uns an die Pest und die Cholera, die im 14. und im 19. Jahrhundert die Bevölkerung Europas dezimierten. Auch damals hatten die Menschen Angst und verließen ihre Städte und Dörfer, um in der Abgeschiedenheit einer Ansteckung zu entgehen.

Die gleiche Angst geht in diesem Frühjahr um. Über die Folgen dieser Angst macht man sich im Facebook lustig. Die Amis, so heißt es, kaufen jetzt mehr Waffen als üblich, als ob sie auf die Viren schießen könnten. Die Franzosen hamstern Rotwein und Präservative. Und die Deutschen? Die Deutschen fürchten sich mehr als alle anderen zusammen. Es grassiert da ein altes Vorurteil, das vielleicht gar keins ist: Im Ausland lästert man über die „German Angst“.

Diese Dschörmen Ängst gibt es in der Tat. Es sieht so aus, als seien wir tatsächlich ein Volk von Angstschissern. Denn seit über einer Woche gibt es in den Supermärkten kein Klopapier mehr. Die Hamsterkäufer sind überaus gründlich.

Zwei Rollen hatte ich noch, als mich unser Schutzengel Hanni rettete. Sie brachte mir aus Gießen, wo sie in einer Art Museum arbeitet, das aber zur Zeit für den Publikumsverkehr geschlossen ist, eine Achterpackung des begehrten Artikels mit. Noch vor dem Ausbruch der Epidemie hatte dieses Haus eine größere Ladung davon erhalten. Ich bin gegen die Folgen der German Angst also vorläufig gewappnet. Jetzt darf ich aber nicht vergessen, die außergewöhnliche, unbürokratische Lieferung, wie sich’s gehört, auch zu bezahlen.

Ob mein Sohn und mein Enkel, die in Kanada gestrandet sind, ebenfalls Angst haben müssen, dass das Klopapier zur Neige geht? Angst, richtige Angst, haben wir drei ja aus einem anderen Grund. Wie lange werden meine Lieblinge am Sankt-Lorenz-Strom noch festsitzen? Und wann werde ich die beiden wieder in die Arme schließen dürfen?

 

 

 

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